Sushi, Bullen, Fritten

Etappe 18: Montchanin - Gueugnon (44,7 km)

Irgendwie bin ich heute am Sack. Obwohl ich recht gut geschlafen habe, ist heute gar keine Motivation da. Vielleicht ist das der Nachtrag der Coissey-Etappe. Ich mache mich schleppend auf den Weg, es ist bewölkt nicht zu warm, eigentlich perfekte Bedingungen.


Erst geht es eine Weile den Kanal entlang, dann durch Montceau-les-Mines. Ich komme an einem Supermarkt vorbei, kaufe abgepacktes Sushi, Olivenpaste und Orangensaft. Das Sushi schmeckt grausam - ja, das war mir eigentlich vorher klar - aber scheinbar hilft die Überdosis Salz im Shoyu, danach fühle ich mich ein wenig besser.


Nachmittags wird es hüglig, es geht wenig befahrenen Landstrassen entlang. Bei meiner nächsten Pause stelle ich fest, dass mein Salat wohl den Zenit überschritten hat. Dafür gibt es Baguette mit Olivenpaste - was meine neue Geheimwaffe für's Laufen wird.

Zwischendrin muss ich ein kurzes Stück stark befahrene Strasse laufen. Kein Problem, die Strasse ist breit genug, die Autos weichen ohne zu murren aus. Bis auf die Gendarmerie, die mir entgegenkommt. Der Streifenwagen hält an, der Beifahrer ruft mir etwas zu, ich signalisiere, dass ich ihn nicht verstehe. In einigermassen brauchbarem Englisch erklärt mir der nette Gendarm, dass es gefährlich sei, hier zu laufen. Quietschende Bremsen, der unverwechselbare Geruch von verkohltem Gummi. Ein nachfolgendes Auto kann in letzte Sekunde bremsen, bevor er den Gendarmen hinten drauf fährt. Denn diese haben natürlich mitten auf besagter vielbefahrenen und gefährlichen Strasse angehalten. Kein Blaulicht, kein Warnblinker.

Ich gebe meine bester Spock-Imitation - das Geseicht ausdruckslos, nur die linke Augenbraue hochgezogen - und bedanke mich für den wertvollen Hinweis. Im Weggehen höre ich, wie im Streifenwagen lautstarke Diskussion ausbricht.

Gegen 19:30 kommen ich am Hotel an - war da nicht was mit nur noch bis 18:00 laufen? Dieses ist klein, aber recht gut, zum Abendessen gibt es "Le Formule" - Ribeye, Fritten und Salat, dazu Vin Ordinaire, was will man mehr. Die Local schauen ein wenig befremdlich ob meines Auftrittes, wenden sich aber schnell wieder ihrem Kaltgetränk zu.

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