Verlängerung

Etappe 50: Ballota - Navia (45,6 km)

8:30 Ich verlasse mein Hotel (ich bin mir sicher, ich war der einzige Gast dort) und gehe zu Restaurant/Bar/Pit Stop, wo ich gestern auch eingecheckt habe. Dort ist es voll, die grosse Passion der Spanier ist es, in der Bar zu sitzen und Kaffee trinken. Dazu gibt es lautes Fernsehen und mit absurden Mengen Omelette belegtes Baguette.




Statt mir ein schlechtes Buffet-Frühstück aufzubauen, von dem ich dann 90% nicht anfasse, ist man hier etwas schlauer. "Freie Auswahl, sag einfach, was du willst, alles inklusive". Win-Win. Ich esse Omelette mit Schinken (eigentlich eher Schinken mit etwas Ei). Dazu gibt es ordentlichen Kaffee, dann geht es los. Draussen dämmert es noch.

Regen gibt es heute keinen, aber am Vormittag bleibt es bewölkt. Es geht so weiter, wie es gestern aufgehört hat, mit endlosen Serpentinen. Das ist nicht sonderlich anstrengend zu laufen, aber recht frustrierend, weil es nicht vorwärts geht.

Später finde ein paar Abkürzungen durch den Wald. Immer ein kleines Risiko, denn ich weiss nie, wie die Bodenbeschaffenheit ist. Bis auf ein mal habe ich heute Glück und muss nicht zurückrudern. Zeitlich spart das nicht viel, ist aber eine ganz willkommene Abwechslung zur endlosen Strasse.
 
Nachmittags wird es dann sonnig, aber es bleibt - zumindest im T-Shirt - kühl. Sobald schattige Stücke kommen, ziehe ich immer wieder den Pulli über. Der Sommer ist wohl endgültig vorbei.

17:00 Ich komme im Hotel an, Zimmer ok, Supermarkt gegenüber, Internet funzt auch; alles bestens.

Heute sind genau acht Wochen vorbei. In einer idealen Welt (Planungsstand Null) wäre ich heute in Santiago angekommen. Jetzt war aber spätestens am zweiten Tag der Reise klar, dass das nicht ganz aufgehen wird.

Daher habe ich mit mir ausgemacht, dass ich bis zum 28.10 (also heute) laufen werde. Dann setzte ich mich in den Zug und fahre nach Santiago. Von dort habe ich einen Rückflug für Samstag, den 29.10. Was ganz praktisch ist, denn am Sonntag ist Marathon in Frankfurt und das mit dem langen, langsamen Lauf habe ich dieses Jahr ja ganz gut trainiert.

Diese Abmachung kam mit einer kleinen Einschränkung: Wenn ich am 28.10 noch weniger als 300 km nach Santiago habe, gilt sie nicht. Warum das? Mein Backup-Flug ist am 5.11., also eine Woche später und auch wenn das Erreichen von Santiago nie ein wichtiges Ziel auf dieser Reise war, macht es ja recht wenig Sinn, so kurz vor Ende den Bus zu nehmen. Davon abgesehen würde ich am Sonntag eh nix gescheites hinkriegen, dafür sind die Beine viel zu müde.

Also, Flug abgesagt, es geht in die Verlängerung. Noch knapp 210 Kilometer.

An dieser Stelle wünsche ich all denen, die Frankfurt laufen - insbesondere Markus Z. und Dietmar K., viel Erfolg und Spass, und immer daran denken: An den Plan halten, nur weil es bei KM 30 läuft nicht übermütig werden. "Pick & Stick", wie Brett Sutton es so unnachahmlich auf den Punkt bringt.

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